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Mittwoch, 18. August 2010

Ho Chi Minh City - 8 Mio Menschen und 10 Mio Motorroller








































Hallo liebe Leser,

nun werden wir also über unsere letzten beiden Tage hier in Ho Chi Minh City berichten.

Am ersten Tag haben wir, nach einem ausgiebigen Suppenfrühstück hier von der Straße, die Walking Tour ausprobiert, die der Lonely Planet vorschlägt. Unter anderem hat uns die Tour auch zur Notre Dame Kirche und zum alten Postamt geführt, die beide sehr beeindruckend sind. Die Tour haben wir dann im 23. Stock des Sheraton Hotels in der 360 Grad Bar beendet, wo Stefan noch einmal schöne Fotos von Saigon von oben machen konnte. Leider entsprachen die Preise der Bar nicht unserem Budget und so haben wir es vorgezogen, uns nach dem Schießen der Fotos lieber wieder in die Straßen zuruckzuziehen... :-)

Gegen 18.00 Uhr haben wir den unfassbar quierligen Verkehr hier bewundern dürfen. Echt irre, dass das hier fast ohne Unfälle über die Bühne geht. Wir haben jedenfalls in unseren drei Wochen hier nur einen Unfall gesehen und eigentlich würde man viel mehr davon erwarten...

Am Abend wurden wir dann von Céderic abgeholt: er und Tram hatten uns zu sich nach Hause zum Abendessen eingeladen. Das war super lecker und sehr unterhaltsam. Die beiden wohnen mit drei weiteren Franzosen in einem riesigen Haus, in dem jedes Zimmer sein eigenes Bad hat. Dazu haben sie noch zwei Dachterassen, in jedem Raum eine Klimaanlage und sechs Tage in der Woche für drei Stunden täglich eine Haushaltshilfe. Wahnsinn, oder? Aber die Franzosen bekommen ja auch alle westliche Gehälter hier, da kann man sich das schon sehr gut leisten. Das Essen war wunderbar: eine Mischung aus vietnamesischen Eigenkreationen von Tram und französischen Eigenkreationen von Céderic. Insgesamt drei Gänge und danach viel das Laufen nach Hause wirklich schon ein bisschen schwer... :-)

Gestern dann haben wir uns das War Remnants Museum angesehen, das die Geschichte des Vietnamkriegs aufarbeitet. Der größte Teil des Museums besteht aus Bildern, die einerseits Kriegsgeschehen dokumentieren, andererseits aber auch die Folgen der Agent Orange Angriffe zeigen. Viele der Kinder, die nach dem Krieg geboren wurden, sind sehr schwer behindert. Die Deutschen, die wir hier auf unserer Mekong-Delta-Tour getroffen haben und die gerade ein Praktikum hier in einem Krankenhaus machen, sagen, dass immer noch erschreckend viele Babys mit für Agent Orange typischen Behinderungen geboren werden. Die Bilder sind sehr bewegend. Noch dazu sind an den Wänden Teile der amerikanischen Verfassung abgebildet, die ja das komplette Gegenteil davon sagt, was sich die Amerikaner im Vietnamkrieg geleistet haben. In einer der vielen Ausstellungen zu verschiedenen Unterthemen wird geschildert, dass viele der amerikanischen und russischen Veteranen auch selbst Schaden davongetragen haben. Auch ihre Kinder wurden mit teilweise gravierenden Behinderungen geboren. Die Veteranen selbst litten vielfach unter Krebs oder auch Nervenleiden. Insgesamt war der Besuch im Museum sehr bewegend. Die Ausmaße des Krieges waren uns vorher gar nicht so sehr bewusst. Viele Familien wurden einfach so hingerichtet. Besonders in Erinnerung geblieben ist Nina ein Bild, das eine Frau mit ihren vier Kindern zeigt, wie sie gerade einen Fluss durchwaten, um vor den amerikanischen Bomben zu fliehen. Für dieses Bild hat der Fotograf den Pulitzerpreis gewonnen und ist danach mit einem Abzug des Bildes zurück nach Vietnam gefahren, um das Bild der Familie, die den Krieg tatsächlich überlebt hat, zu überreichen. Auch von dieser Übergabe findet man ein Bild im Museum. Auch sind die Folterinstrumente und die "Tigerkäfige", die etwa so groß sind wie Särge und auch genauso wie diese in den Boden eingelassen waren und in denen die vietnamesischen Gefangenen gehalten wurden, ausgestellt. Es war ganz schön beklemmend, sich diese Zeitzeugen anzusehen, die durch Bildinstallationen erst ihren wahren Schrecken erahnen ließen.

Nach dem Museum sind wir zum Nachtmarkt gelaufen, für den extra eine ganze Straße gesperrt wird, jeden Abend von sechs bis morgens um zwei. Auf dem Markt haben wir viele schöne Dinge gekauft und Stefan hat sich als wahrer "Bargaining Master" (Handel-König) erwiesen. Jeder hatte hier seine Rolle: Stefan fand' 'was gut und wollte es haben. Die ersten paar Minuten des Anziehens und Ausprobierens war Nina noch dabei, als Beraterin und als "Chefin", der das alles schon wieder viel zu teuer ist... ;-) Das hat sie mit Gestik und Mimik zum Ausdruck gebracht und zumeist auf Deutsch oder Vietnamesisch klargestellt... Dann, als es zum "harten Handeln" überging, hat sie sich verzogen und ist nur ab und zu noch einmal gucken gekommen, nicht zuletzt, um ihrer wachsenden Ungeduld mit Mimik und Gestik Ausdruck zu verleihen, um den Frauen ein bisschen Druck bei der Verhandlung zu machen. Stefan hat die Frauen dann um den Finger gewickelt und tatsächlich immer den Preis bekommen, den er zahlen wollte! :-) Die Frauen waren am Ende eher weniger glücklich, was gut ist, denn Stefan sagt: "Wenn sie noch lachen, wenn du weggehst, dann hast du definitiv zu viel gezahlt!" Wir waren ein echt gutes Team! :-) Und wenn Nina 'was gut fand, dann hat sie sich kurz um die Größe gekümmert und danach dann wieder ihre Rolle gespielt, abgesehen vom Weggehen, schließlich hatte sie ja hier das letzte Wort beim Preis... ;-) Aber Stefan hat verhandelt...! Eine Frau war sehr hartnäckig und nach ein paar Minuten hat Nina sichtlich die Geduld verloren, der Frau erklärt, dass sie in Deutschland genauso viel für so ein T-Shirt bezahlen würde, das aber in Vietnam sicherlich günstiger sei und dann sind wir einfach gegangen. Nach ein paar Sekunden kam sie uns schon hinterhergerannt... Und bot uns einen niedrigeren Preis an als den, den sie ursprünglich haben wollte, der aber immer noch über dem lag, den wir zahlen wollten. Stefan hat sie gehört, zu Nina nach vorne gerufen, die hat nur den Kopf geschüttelt und ist weitergegangen. Dann haben wir uns an einem anderen Stand Sachen angesehen und plötzlich steht die Frau da mit dem T-Shirt in der Hand und gibt uns unseren gewollten Preis... :-) So geht das also! :-) Das mit dem Hinterherlaufen kannten wir ja schon, aber bisher waren sie nie so hartnäckig und wollten vor allem auch immer ihren Preis, deshalb haben wir nie gekauft... Das war tatsächlich die erste Frau, die uns unseren Preis beim Hinterherlaufen angeboten hat. Zwar erst beim zweiten Versuch, aber immerhin... ;-) Noch ein Sieg auf Stefans Seite! :-)

Wir haben dann ein Taxi zurück zum Hotel genommen, wir waren einfach zu bepackt... ;-) Außerdem tat Ninas entzündeter Fuß weh, aber das zählte nicht... ;-) Eigentlich wollten wir uns noch "Splice" im Kino ansehen, aber das Shoppen und Handeln hat doch zu viel Zeit in Anspruch genommen, sodass es leider schon zu spät war. Stefan ist dann noch 'mal "schnell" losgegangen, um Früchte zu kaufen, in den kleinen Gassen um unser Hotel herum und war ganz überrascht, was er alles für Angebote erhielt, als junger europäischer Mann, der nachts ohne eine Frau unterwegs ist... ;-) Spannend, spannend... Wenn Nina morgens alleine losgezogen ist, um ihre Brötchen zu besorgen, hat sie höchstens 'mal einen Massagezettel in die Hand gedrückt bekommen oder ein Augenzwinkern oder Lächeln aufgeschnappt... :-( Eher langweilig, also... Zurück im Hotel hat Stefan dann schon zum zweiten Mal unserem "Hotel-Vater" dabei geholfen, eine zweitägige Mekong-Delta-Tour an den Mann zu bringen. Genauer gesagt hier an zwei Jungs aus London. Sehr lustig. :-)

Am nächsten Morgen haben wir dann wieder unten gefrühstückt, uns ein bisschen um den Blog gekümmert und danach hat Nina ein bisschen Vietnamesisch gelernt, während Stefan sich um das Finanzielle mit dem Hotel-Vater gekümmert hat... Ihr seht die Rollenverteilung entsprechend der Studienfächer...?! ;-)

Zum Schluss sind wir noch zu einem Supermarkt gegangen, um vietnamesischen Tee zu kaufen. Dann haben wir auf dem Markt eine letzte vietnamesische Reisnudelsuppe gegessen, noch die letzten Schnäppchen auf dem Markt gemacht und sind zurück zum Hotel gefahren, um auf unser Taxi zum Flughafen zu warten.

Wohlwissentlich haben wir ja schon Stefans Gepäckgewicht bei Air Asia (Saigon-Bangkok) von 15 auf 20 kg aufgestockt... Und trotzdem kamen wir noch drüber: knapp 23 kg... Nina hatte von ihren erlaubten 15 kg immerhin 13,9 kg... Das wurde dann zusammengerechnet... Und dann wurde doch tatsächlich sogar das Handgepäck gewogen: sieben kg waren erlaubt, Nina hatte 10 gk... Und Stefan 8 kg... Die Leute vor uns mussten doch tatsächlich zahlen, wir nicht... :-) Was für ein Glück...!!! :-) Bei Emirates war dann eh alles egal, da darf man ja gleich 30 kg haben... Was für ein Glück: die Lady meinte es wirklich gut mit uns! Vielleicht hat das Schaf geholfen, das so niedlich am Rucksack hing und gleich ihre Aufmerksamkeit bekommen hat... Was es letztlich auch war: vielen, vielen Dank, das hätte auch noch 'mal teuer werden können, zum Schluss... :-)

Den Abschlussbericht gibt es dann morgen,
liebe Grüße,
Stefan und Nina!



Cu Chi Tunnels - Vietkong Geschichte zum Anfassen

















So, liebe fleißige Leser,

gegen 19 Uhr sind wir mit dem Bus aus Mui Ne in Saigon (District 1 in Ho Chi Minh City) angekommen. Dank Anna wussten wir ja schon, welches der unzähligen Backpacker-Hotels es sein sollte und konnten der Lady, die am Bus versucht hat, ihr Hotel zu füllen, gleich die Visitenkarte präsentieren. Die hat uns dann an die Hand genommen, den Verkehr aufgehalten, uns über die Straße gescheucht und uns durch dunkle Hinterhausnebengassen bis zu unserem gewählten Hotel gebracht. Dort hat sie dem Besitzer-Ehepaar auch gleich noch auf vietnamesisch klar gemacht, dass wir auf eine Empfehlung hier sind. Und promt standen wir in einem echten Luxuszimmer und keiner wollte uns den Preis verraten. Nach langem Hin und Her und vielem Tee hat sich der Besitzer dann zu 16 US-Dollern breitschlagen lassen. Seine Kinder studieren beide in Deutschland, deshalb mögen sie Deutsche besonders gerne... :-) (Diep Anh, Saigon) Wir haben dann direkt die Tunnel- und Tempel-Tour für den nächsten Tag bei ihm gebucht und uns von ihm noch schnell zur nächstgelegenen Apotheke bringen lassen (Ninas Wunde am Fuß hat sich ein bisschen entzündet, aber alles kein Problem). Noch ein bisschen die Gegend erkunden, essen und dann ab ins Bett.

Am nächsten Morgen wurden wir dann von einem Guide direkt am Hotel eingesammelt, mit vielen Touristen auf verschiedene Busse verteilt und dann ging es zuerst zum Cao Dai Tempel, wo wir eine Messe ansehen durften. Ehrlich gesagt erinnerte das Ganze ein bisschen an eine Sekte... Die Gemeinschaft hat auf einem riesigen Tempel-Gelände ein eigenes Krankenhaus, eigene Grundschulen, Highschools und sogar eine Universität. Den Kindergarten nicht zu vergessen. Die meisten tragen weiße Gewänder und Männer sitzen vom Eingang aus betrachtet rechts und Frauen links im Schneidersitz auf dem Boden. Auf der Empore singt ein Chor zu den Klängen traditioneller Musikinstrumente. Der Tempel an sich ist sehr bunt und absolut faszinierend was seine Symbolik angeht, was vor allem daran liegt, dass die Religion aus nicht weniger als mindestens sieben Weltreligionen zusammengesetzt ist. Wenn wir das richtig verstanden haben, verehren sie das "sehende Auge"... Sehr interessant, wirklich! Die Messe hat uns sehr gut gefallen und das Tempel-Krichen-Gemisch-Anbetungshaus ist einfach unbeschreiblich schön.

Vom Tempel aus ging es dann zu den Cu Chi Tunneln, in denen sich die Freiheitskämpfer (Vietkong/ Guerillas) vor den Amerikanern versteckt hielten. Sie haben ein ganzes Dorf mit dem Namen Ben Dinh einfach unter die Erde verlegt. Sogar Kinder wurden in den Tunneln geboren. Ein Stückchen der Tunnel, etwa 100 Meter, sind der Öffentlichkeit zugänglich, man darf hindurchkriechen (!!!) und fragt sich ernsthaft, wie die Vietkong da unten leben konnten. Die 100 Meter wurden schon zwei (!!!) Male verbreitert, weil Touris stecken geblieben waren, und sind immer noch sau-eng und vor allem so gut wie stockfinster. Als am Ende einer der Guides mit der Taschenlampe in den Tunnel geleuchtet und gerufen hat, war Nina super erleichert. Menschen mit hohem Blutdruck und Platzangst dürfen erst gar nicht in die Tunnel hinein. Insgesamt gab es drei Level, auf denen die Menschen wohnten und arbeiteten. Es gab sogar eine Art Krankenhaus. Außerdem wurden viele der ausgeklügelten Fallensysteme ausgestellt, die die Vietkong gegen Tiger aber vor allem Amerikaner einsetzten. Dass man tatsächlich auf einer Art Schießstand die Kriegswaffen ausprobieren durfte, natürlich gegen Geld, fanden wir eher blöd. Noch dazu waren die Schüsse suuuuper laut, bei jedem einzelnen hat man sich echt erschrocken. Mit diesen Schüssen im Hintergrund und dem Regen wirkte dieser Wald allerdings ziemlich authentisch. Irre. Zum Schluss haben wir noch, nach amerikanischer Art, einen Propaganda-Film über die Tunnel angesehen, bei dem die Amerikaner wirklich nicht gut wegkamen. Immerhin blieben die Vietkong ja aber standhaft und haben die Amerikaner tatsächlich in die Luft schlagen können...

Insgesamt war das ein sehr interessanter Tag, an dem wir sehr viel über eine in Vietnam weit verbreitete Religion und die Lebensweise der "Tunnelbewohner" im Vietnam-Krieg lernen durften.

Morgen dann mehr über unsere zweitägige Mekong-Delta-Tour! :-)

Liebe Grüße,
Stefan und Nina